Das Mehrfamilienhaus Holliger ist inspiriert vom modernen Bauen in den Alpen. Die Verbindung einer offenen Holzbauweise mit einem Fassadenkleid aus Well-Eternit verankert das Haus im industriellen Erbe des Ortes und verweist auf die alpine Bautradition einer spezifisch schweizerischen Moderne.
Eine offene, zeitgenössische Vorstellung von Familie bestimmt den Charakter der Wohnungen. Eine Wohnhalle bildet zusammen mit der „Veranda“ den Mittelpunkt des Familienlebens. In der Wohnhalle ist genügend Platz für einen grossen Esstisch, Sofas, Spiel- und Arbeitsecken. Die „Veranda“ erstreckt sich über die gesamte Fassadenlänge und bildet in der warmen Jahreszeit eine Erweiterung des Wohnraumes mit Raum für Tische, Pflanzen, Spielgeräte und unzählige Paare lehmverkrusteter Kinderschuhe.
Als Holzbau mit einer hinterlüfteten Fassade aus Well- Eternit verhält sich das neue Familienhaus im Hinblick auf Nachhaltigkeit, grauer Energie, lokaler Produktion und Wertschöpfung vorbildlich. Eine einfache Struktur sowie die Begrenzung der Haustechnik auf eine Steigzone pro Wohnung machen das Haus kostengünstig und erleichtern den Unterhalt. Das unterirdische Volumen wird auf ein Minimum reduziert. Der kompakte Baukörper konzentriert seine Fensterflächen bewusst entlang der „Veranda“ und nutzt bei der Gestaltung der Stirnfassaden den lebendigen Materialcharakter der zweifarbigen Well-Eternittafeln.
Die expressive Holzkonstruktion der Balkone wird dabei bewusst als freundlich-frecher Gegenpol zum robusten industriellen Charakter der Fassaden formuliert. Die Überlegungen zum kulturellen Kontext des Hauses beziehen sich auf eine Schweizer Moderne mit Protagonisten wie Hans Coray und Hans Leuzinger, in deren Arbeit eine Synthese von Landschaft und Moderne, von industrieller und handwerklicher Baukultur gelungen ist.

2019

Ort: Bern, Schweiz

Programm: 32 Wohnungen, 16 Studios

Bauherrschaft: Baugenossenschaft Aare Bern

Bruttogeschossfläche: 5’645 m2

Wettbewerb: 2. Preis

Projektstatus: Nicht gebaut